Ein kurzer Abriss der Geschichte des KDFs in Prora
Zwischen Ostsee und Kleinem Bodden erstreckt sich die Schmale Heide, auf der - entlang der Prorer Wiek- zu NS-Zeiten das „Kraft durch Freude –Seebad Rügen“ geplant war.
Die Anlage sollte sich über eine Länge von knapp 5 km erstrecken und Quartier für 20.000 Urlauber bieten. Mit der Grundsteinlegung 1936 begannen die Bauarbeiten, die aufgrund des beginnenden Zweiten Weltkrieges ab 1939 wieder eingestellt wurden. Das Seebad der 20.000 wurde somit nie vollendet oder in Betrieb genommen. Dennoch fand auch während des Krieges eine Nutzung statt, da man Prora zum Ausbildungsort für Polizeibataillone und Marinenachrichtenhelferinnen umfunktionierte. Auch Flüchtlinge fanden in den teilweise provisorisch hergerichteten Gebäuden übergangsweise Quartier, bis Ende 1945 dann die Rote Armee das Areal für sich beanspruchte.
In der Nachkriegszeit begann die Sowjetische Besatzungsmacht mit dem Abriss der Anlage. Da sich jedoch der Kalte Krieg immer mehr abzeichnete, wurde dieses Vorhaben gestoppt. Stattdessen begann parallel zum Aufbau der DDR der Ausbau Proras.
Mit Hilfe der Kasernierten Volkspolizei begannen ab 1952 die Bauarbeiten und aus den Rohbauten der ehemaligen KdF-Anlage entstand einer der größten Militärstandorte der DDR.
Ab 1956 war Prora Militärstandort der Nationalen Volksarmee. Bedingt durch die abgeschiedene und somit militärstrategisch ungünstige Lage wurde der Standort immer weiter umfunktioniert zum Ausbildungsort. Neben Angehörigen der Nationalen Volksarmee wurden hier ab den 80er Jahren auch ausländische Kader ausgebildet.
Gleichzeitig wurde Prora ab 1982 zu einem der größten Bausoldatenstandorte.
Die Waffendienstverweigerer wurden auf Rügen konzentriert, um beim Bau des militärstrategischen Hafens Mukran mitzuarbeiten. Heute zählen die Bausoldaten mit zu den Wegbereitern der Friedlichen Revolution 1989.
Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde der Standort Prora von der Bundeswehr übernommen und bis 1992 aufgelöst.
Seitdem steht ein Großteil der Anlage leer. Im nördlichen Abschnitt gibt es seit 2011 die Jugendherberge Prora, bei anderen Gebäudeabschnitten ist inzwischen mit einer Teilsanierung begonnen worden.
Die Bildungseinrichtung PRORA-ZENTRUM befindet sich bei der Jugendherberge Prora. Sie forscht zur doppelten Geschichte des Ortes und bietet für Interessierte Besucher und Gruppe im Rahmen ihrer historisch-politischen Bildungsarbeit neben historischen Geländerundgängen eine Vielzahl an Veranstaltungen, Projekten und Seminaren an.
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